Karwar, 07.08.2001

Hallo all ihr Lieben,

 

 

mittlerweile ist es schon Dienstag. Jaja so schnell vergeht die Zeit. Also, beginne ich doch mal vorne, ist ja irgendwie auch logisch, oder? Donnerstag morgen hat mich also mein lieber Papa zum Düsseldorfer Flughafen gebracht. Dort das übliche Prozedere, einchecken etc.. Dann ab in den Flieger, und dort  die erste Überraschung, Business Class...cool! Naja, bestimmt ein „Versehen“ der netten Dame am Schalter. So macht Fliegen richtig Spass! Nach knapp einer Stunde dann noch mal umsteigen in Zürich. Wieder im Flieger und wieder Business, unglaublich, damit habe ich ja nun gar nicht gerechnet, war wohl doch kein Versehen, sondern ich habe wohl ein B-Ticket und habe das noch nicht mal gemerkt, dusselig, so wäre die Vorfreude doch viel größer gewesen. Im Flieger dann lecker Weinchen getrunken, ständig irgendwelche Häppchen bekommen. Zur Unterhaltung gab es dann noch für jeden der wollte einen eigenen DVD-Player, habe leider nur 2 Filme geschafft, hatte ja schließlich nur 7 Std. 40 Min. Zeit, und zwischendurch gabs ja noch Vorspeise, Hauptspeise, Käseplatte usw....Nach einem wirklich komfortablen Flug also die Landung in Bombay, und welch Überraschung, sogar der Koffer ist angekommen, das ist laut Armin nicht immer so! Glück gehabt.

Dort, also im Flughafen Bombay, habe ich noch eine nette Bekanntschaft mit einer Frau gemacht (ca. 25 Jahre alt) die etwas nervös  neben mir am Kofferband stand. Man kommt also ins Gespräch, und sie erzählt mir, dass sie hofft in Bombay von einer Internetbekanntschaft abgeholt zu werden. Ein indisches Blinddate!Uiuiui! Sie war auch ziemlich aufgeregt! Ich war dann schon etwas besorgt, und habe ihr angeboten zu mir ins Hotel zu kommen, falls der Vogel nicht auftaucht. Wir also mit unseren Koffern durch die tausend Visa,- Gesichts- und Gepäckkontrollen (das finden die Inder toll – Kontrollen – und dabei gaaaanz ernst gucken, ganz wichtig!). Danach dann Ausschau halten nach einem Inder im dunkelblauen T-Shirt (Erkennungszeichen Blinddate, haha). Tja, und das waren schon einige....Ich wurde vom Hotel abgeholt, und auch das hat hervorragend geklappt, kurz gewunken, zack wurden mir die Koffer aus der Hand gerissen und ich musste zusehen, dass ich dem Menschen mit meinen Taschen folge zum Auto. Somit habe ich der Blinddaterin noch mal schnell den Hotelnamen gesagt und schon habe ich sie aus den Augen verloren. Hier hört die Geschichte mit der Frau auch schon auf. Sie ist wohl tatsächlich abgeholt worden, jedenfalls ist sie nicht im Hotel aufgetaucht. Also eigentlich gar nicht so spannend, die Geschichte, aber mich hat das schon sehr beeindruckt.

Ich wurde also dann zum Hotel gefahren! Wieder sehr beeindruckend, nobel, nobel! Dann also auf ins Zimmer, zwei Bierchen aus der Minibar getrunken, man ist ja schliesslich schon ein wenig aufgekratzt von der Reise, danach schlafen. Am nächsten morgen um ca. 9.30 aufgewacht, auf dem Zimmer gefrühstückt, Zeitung gelesen, ganz in Ruhe! Der Anschlussflug nach Goa ging um 12.30 Uhr. Da aber schon bei der Ankunft im Hotel jemand telefonisch für mich einen Platz reserviert hat, brauchte ich erst um 12.00 Uhr am Flughafen sein. Vom Hotel gibt es einen Flughafenbringdienst (hübscher Kleinbus), mit dem man einmal quer durch Bombay zum Domestic-Flughafen gebracht wird. Das ist dann nicht mehr so schön, Bombay....dazu fällt mir eigentlich nicht viel zu ein, sehr chaotisch, sehr dreckig, und sehr arm, wie mir scheint.

Auf dem Weg zum Flughafen sieht man dann das, was man vielleicht lieber nicht sehen möchte, Armut, Armut, Armut! Mit mir im Bus sitzt ein netter indischer Herr, mit dem ich mich auch sehr angeregt unterhalte, er erzählt mir, dass er gerade von einer Reise durch Europa kommt, diverse Städte in Deutschland und anderen Ländern besucht hat, und dann noch in Rom Station gemacht hat, dort habe er auch studiert. Es stellt sich heraus, dass ich mit einem indischen Bischof im Bus sitze. Er freut sich über mein gutes Englisch (??????? haha) und über das Chaos auf den Straßen (dagegen sind die Griechen Waisenknaben). Während wir uns also unterhalten, klopfen ständig irgendwelche Bettler an unsere Fenster, werden schmutzige Kinder hochgehalten.....da er das aber auch ignoriert, schliesse ich mich diesem Verhalten an. Ich möchte dieses Elend auch eigentlich nicht sehen, sehr deprimierend. Am Flughafen angekommen, verabschieden wir uns und gehen unserer Wege. Ich also schnell wieder Koffer eingecheckt und ab in den Flieger nach Goa, Jet Airways, indische Fluggesellschaft, völlig in Ordnung! Wieder lecker Essen, Zeitung lesen, und schwupps bin ich schon in Goa. So, nun wieder auf den Koffer warten, geht auch schön schnell, und wieder durch diverse Kontrollen, obwohl doch schon beim boarding sogar das Handgepäck geöffnet wurde!!!!!

Dann also raus aus dem Flughafen und nach einem Schild suchen, auf dem mein Name steht, so hatte Armin es mir aufgetragen! Ich gucke also immer schön auf die Schilder, die einem so unter die Nase gehalten werden und schlendere an den Abholern vorbei, ohne sie anzugucken, ich suche ja schließlich nach meinem Namen....als ich plötzlich eine Stimme sagen höre:“Sabine.....suchst Du mich?“ Da steht doch tatsächlich der Armin dort, und ich bin an ihm vorbeigelaufen, tststs. Er grinst sich einen, und ich bin schon ein wenig verdattert, so war das nicht abgemacht! Nach ausgiebiger Begrüßung steigen wir also ins Auto, und Armin sagt, dass wir noch kurz zum Marriot-Hotel müssen, um dort Brot zu kaufen. Das glaube ich natürlich, es ist nämlich tatsächlich so, dass es dort eine Bäckerei gibt, ansonsten gibt es nicht wirklich Möglichkeiten in unserer näheren Umgebung ordentliches Brot zu kaufen. Da ich das ja schon weiss, schliesslich war ich ja schon mal dort, glaube ich ihm natürlich! Am Hotel angekommen, steigt Armin aus und....ich soll auch.....also manchmal bin ich ja schon ein wenig dusselig, oder gutgläubig, oder was auch immer.....Armin grinst mal wieder und offenbart mir, dass wir hier ein Wochenende verbringen, bevor es ins Camp geht. Wie schön! Das war es dann auch, schön! Samstag sind wir nach Panjim (hoffe das ist richtig geschrieben), Hauptstadt von Goa, gefahren, einerseits um endlich das ersehnte Motorrad (Royal Enfield) auszusuchen und zu bestellen, ist ja schließlich sehr günstig hier in Indien, andererseits um mal ein wenig zu bummeln. Bummeln ist nicht, entweder der totale Touristennepp, oder schmuddelige indische Shops, aus denen brauchen wir auch nichts.

Also, Motorrad doch noch nicht bestellt, dauert auch nur 10 bis 12 Tage, also haben wir noch Zeit zu entscheiden. Dann noch schnell zum Delikatessen-Shop, heisst in den einzigen Laden in dem man westliche Lebensmittel kaufen kann, wie Nudeln, Käse etc..Danach wieder zurück ins Hotel. Um 17.30 Uhr wird eine Bootsfahrt auf dem Fluss vorm Hotel angeboten. Da nehmen wir natürlich teil. Goa-Folklore wird lt.Beschreibung geboten. Das kann ich kaum in Worte fassen, unglaublich! Wir also auf dieses Boot, mit ca. 200 indischenTouristen! Auf dem Boot stehen Platikstühle, vorne ist eine Bühne, auf der Bühne steht eine „Band“, drei lustige Inder in lustigen bunten Hemden, mit hübschen gelben Rüschen, geben die Musik. Ein anderer lustiger junger Mann, macht den Animateur, begrüßt uns freundlich und wünscht uns viel Vergnügen bei dieser einzigartigen Vergnügungsfahrt. Das Boot legt ab, die Band beginnt zu spielen, ....der indische Ballermann, so ungefähr muss man sich das vorstellen. Das war so schlecht, dass es schon wieder gut war! Wir haben dann schnell ein Bier gekauft, so liess es sich dann  irgendwie ertragen! Eine Tanzdarbietung gab es auch noch, das war bestimmt die Folkloreabteilung......der Animateur, hoch ambitioniert, fordert uns alle auch ständig auf, aufzustehen, auf die Bühne zu kommen und zu tanzen. Wir sind doch lieber sitzen geblieben. Die Inder fanden das aber toll, haben geklatscht, natürlich nach Aufforderung, und einige haben auch getanzt!

Schön! Nach einer sehr witzigen Stunde, ich sagte ja bereits, das war so schlecht, dass es schon sehr zum Lachen war, durften wir wieder vom Boot runter und zurück zum Hotel. Sonntag gab es dann Brunch mit „Jazz-Band“. Brunch war toll, „Jazz-Band“ war ein Alleinunterhalter, die Jazzer waren wohl krank! Trotzdem war das ein sehr schöner Abschluss unseres Wochenendes in Goa! Um 16.00 Uhr wurden wir dann abgeholt. Die Fahrt dauert ca. 3 Stunden. Tja, und seitdem bin ich also in Karwar im „Seabird-Camp“. Natürlich habe ich gestern erstmal geräumt, geputzt, geputzt, geputzt und geputzt, wie gut dass ich Sagrotan dabei habe. Der indische Hausboy wurde direkt gefeuert, den brauche ich irgendwie nicht. Und was der gemacht hat, ausser TV geguckt und telefoniert, und Süßigkeiten gegessen, weiss ich auch nicht. Armin sagt, er hat gewaschen und gebügelt, das scheint so zu sein, ich sehe ihn  jedenfalls den ganzen Tag mit Wäsche rumlaufen, aufhängen, abnehmen, geht ja schnell hier, das Wäsche trocknen (wenn es nicht regnet, natürlich).

Aber sonst kann ich nicht wirklich erkennen, was er sonst noch so tut. O.K. der Boden wurde wohl ab und an mal gewischt, das konnte man sehen. Aber das schaffe ich wohl auch noch so gerade eben alleine, wie auch das waschen....Sonst kann ich hier, wie erwartet, nicht wirklich viel machen, Gott sei Dank gibt es Bücher und TV, das TV-Programm ist auch ganz gut, HBO – ständig Spielfilme, und alle Varianten von STAR,- Movies,-World, etc. , National Geographic, Deutsche Welle (!!! jaja), Discovery Channel, ein Musikkanal, für Unterhaltung ist also gesorgt. Und dann ist da ja auch noch der PC, leider nur ohne IT-Zugang, momentan, vielleicht ja bald wieder. Dafür kann ich mit dem PC ja auch noch Musik und Hörspiele hören. Das Wetter ist nicht so schlimm wie ich befürchtet habe, es regnet nicht den ganzen Tag, aber wenn es regnet, dann schon ganz schön ordentlich! Aber bisher doch eher selten. Natürlich ist es schon sehr feucht, Temperatur wohl nur so um die 27 Grad, das ist ganz angenehm. Halte mich aber doch eher im Haus auf! Hier gibt’s ne Klimaanlage, ist schon angenehmer!

So, das soll nun aber erstmal reichen, ist ja auch ganz schön viel geworden. Jetzt muss ich mir ja erstmal überlegen, wie ich das hier in die weite Welt bekomme. Aber das Problem ist ja gelöst, sobald ihr das hier gelesen habt ;-)

Viele liebe Grüße und bis zum nächsten  mal/mail

BINE

 

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