Karwar, 28. August 2001

 Ein herzliches Namaste,

mehr indisch kann und werde ich wohl auch nicht können, bis wir wieder abreisen. Sicherlich liegt das an dem mangelnden Kontakt mit Indern, aber auch an der Sprache an sich! In Indien gibt es in jeder Region eine eigene Sprache, aber ich glaube das erwähnte ich bereits! Naja, jedenfalls ist es auch eigentlich egal, welche Sprache die Einheimischen hier sprechen, ich verstehe sie nicht. Selbst wenn sie Englisch sprechen, verstehe ich, wenn überhaupt die Hälfte. Der Akzent ist so dermaßen ausgeprägt und für mich völlig unverständlich. Armin sagt natürlich, dass ich mich dusselig anstelle (naja, ganz so hat er es nicht ausgedrückt), er meint es liege an meiner durchweg negativen Einstellung den Indern gegenüber. Dabei ist das gar nicht so, jedenfalls nicht so extrem. Ich finde nach wie vor, dass die Inder ein sehr sehr seltsames Volk sind. Allerdings meint meine Nachbarin Charmaine, selbst Inderin aus Bombay, dass sie sich auch schon Sorgen darüber macht, welchen Eindruck ich von den Indern bekomme, bei den Beispielen, die mir hier tagtäglich geboten werden von den sogenannten „camp-boys“.Naja, ich möchte ihr ja gerne glauben. Ich werde ja noch mehr Eindrücke gewinnen, während unserer bevorstehenden Reise durch Südindien. Armin hat einen Wagen für zwei Wochen gemietet, inclusive Fahrer, (das scheint hier so üblich zu sein?!?!?!?) mit dem wir uns wohl am 15. oder 16. September auf den Weg machen werden, erstes Ziel ist Bangalore (glaube ich), danach ein Nationalpark mit Elefanten und Tigern, das wird hoffentlich superspannend, schliesslich bin ich ja hier in Indien, und ich WILL Tiger und Elefanten sehen, sonst bin ich seeeeeehhhhhhrrr enttäuscht. Und falls wir dann noch an einem Stück sind, soll heissen, kein Tiger uns gefressen hat (bestimmt bin ich ein Leckerbissen, in deren Augen, hahahahaha), machen wir uns weiter auf den Weg, den Süden Indiens zu erkunden, wohin genau wissen wir noch nicht, ich muss noch den Reiseführer studieren, aber es gibt soooooooo viel zu besichtigen, scheint mir! 

Letzten Sonntag haben wir unseren ersten Ausflug mit dem tollen neuen Motorrad gemacht. Hihi, das war wirklich schön. Wir dürfen zwar nur 50 km/h fahren, da das Motorrad ja ganz neu ist, allerdings fand ich diese Reisegeschwindigkeit sehr sehr angenehm. Wir sind also Sonntag mittag losgefahren, Jens, der ebenfalls ein Motorrad gekauft hat, wollte auch mitfahren, allerdings blieb er nach ca. 200 m zurück. Wir also umgekehrt, um zu schauen was der Grund der ersten Rast wohl sein mochte. Tja, was soll man sagen???? Indische Wertarbeit? Hihi, ne eigentlich ist das nicht lustig. Also, Jens wollte kurz anhalten um seinen Helm aufzusetzen, und bei dem Versuch das Motorrad wieder zu starten, ging bei selbigem nichts mehr. Ca. eine halbe Stunde lang haben Armin und Jens versucht dieses schöne neue Motorrad wieder zu starten, erfolglos.....Somit hat Jens sein Motorrad wieder zurück geschoben, Gott sei Dank waren wir erst ein paar Meter vom Camp entfernt, und wir sind weiter gefahren. Ganz gemütlich also tuckerten wir über Indiens Straßen, wurden überholt von LKW’s etc., aber das tat unserem Vergnügen keinen Abbruch (also, wenn man Floskeln schreibt, kommen sie einem ganz schön bescheuert vor...). Wir sind bis zu einem Ort gefahren, dessen Namen ich vergessen habe, sind dort durch die Gassen gewandelt, haben ein Lime-Soda am Strand getrunken, und sind zurück gefahren. Auf dem Rückweg haben wir eine Affenhorde getroffen, die gerade die Straße überquerte, ca. 10 Affen würde ich mal sagen, eine Affenmutter mit festgeklammertem Baby unterm Bauch, leider waren die Affen längst in irgendwelchen Bäumen verschwunden, als wir endlich angehalten und die Kameras gezückt haben. Kühe trifft man ja ständig, also eigentlich wäre es eher ungewöhnlich, mal keine Kuh auf der Straße zu treffen. Manchmal muss man schon ganz schön hart bremsen um keine zu erlegen. Wir hatten Sonntag auch unseren ersten „bodycheck“ mit einer kleinen Teenagerkuh, die wollte einfach nicht weiterlaufen, als wir so angetuckert kamen, normalerweise reagieren die Kühe auf Hupen, nicht diese, sie wandelte also ganz gemütlich, nicht alleine, eher eine Art Baby-Kuh-Gang, über eine kleine Straße in besagtem Ort, dessen Namen ich vergessen habe, und blieb im Gegensatz zu ihren Kumpels plötzlich stehen. Tja, und da dieses indische Motorrad, die Gänge auf der rechten Seite, und die Bremse auf der linken Seite hat (ist ja schließlich für den Linksverkhr konzipiert??????), hat Armin wohl etwas spät reagiert, oder war so sehr damit beschäftigt zu bremsen und zu schalten, dass wir die arme kleine Kuh am linken hinteren Bein „angeditscht“ haben, nur ganz leicht, ehrlich, Armin hat das noch nicht mal gemerkt, da er ja beschäftigt war mit einem indischen Bremsmannöver. Aber ich habe gesehen, wie sie dann, nach der Berührung mit einem Reifen, einen Satz gemacht hat. Keine Sorge, nix passiert, sie hat nur etwas beleidigt geguckt, und ist weiter marschiert. Aber seit Indien wissen wir ganz genau, woher der Begriff „Dumme Kuh“ kommt, ganz klar! Obwohl ich ja sagen muss, dass sie eigentlich gar nicht so dumm sind, schließlich gehen sie auch auf den Markt, dort gibt es halt das beste Futter, sie bedienen sich auch ganz gerne direkt von der ausgelegten Ware, sobald der Kaufmann Ihnen den Rücken kehrt. Tatsache! Und da die Kühe heilig sind, werden sie auch nicht sonderlich vom Markt verscheucht, sondern es werden Ihnen Obst- und Gemüseabfälle hinter die „Marktstände“ geworfen, in der Hoffnung, dass sie sich dort bedienen. Nur scheinen die Kühe auch zu wissen, dass die Waren vorne besser sind. Wirklich witzig! Gerne essen die Kühe hier auch Zeitungen, ehrlich, ich habe das nun schon dreimal gesehen, dass eine Kuh eine auf der Straße liegende Zeitung ganz gemütlich frisst. Vielleicht sind die indischen Zeitungen ja sehr schmackhaft, wer weiß? Einkaufen hier ist auch eine Art Abenteuer. Also, es gibt jeden Tag eine Art Markt in Karwar, das heisst, es werden die Sorten Obst und Gemüse, die gerade erhältlich sind, auf der Straße feilgeboten. Es gibt auch ein paar Stände mit richtigen „Verkaufsflächen“, also, so ähnlich wie wir das vom Markt her kennen, nur viel einfacher, aus Holz gebaute Auslagen, quasi! Der Großteil allerdings wird auf einer Art Decke auf dem Boden angeboten, und der jeweilige Verkäufer sitzt zwischen seinen Auslagen. Fleisch gibt es nur in Form von Hühnern. Diese muss man eine ¼ Stunde vorher bestellen, dann wird das Tier erlegt, gerupft und ausgenommen. Man bekommt also ein ganz frisches Huhn! Die Eingeweide und die Füße bekommt man dan im Innern des Huhns mitgeliefert! Hihi, ist schon etwas gewöhnungsbedürftig! Aber es schmeckt! Rindfleisch gibt es hier im Staate Karnataka nicht (irgendwie auch logisch, sind ja heilig die Kühe)....aaaaaaaaaaber in Goa sieht man das nicht so eng, dort kann man fantastisches Rindfleisch kaufen. So fährt man halt irgendwann mal nach Goa, ca. 2 ½ - 3 Stunden Fahrt, zum „Mealmaker“ und kauft so viel Rindffleisch wie in das Gefrierfach passt. Unser Bestand ist fast aufgebraucht, ich glaube einmal müssen wir noch jemanden losschicken, oder selbst fahren. Sonntag haben wir nämlich unseren Bestand extrem minimiert, wir hatten noch ca. 5-6 kg in Form von 2 Filets im Gefrierfach, das wurde dann bei unserem ersten Barbecue nach dem Monsum (sehr optimistisch) mit den Nachbarn verspeist. Es ist schon erstaunlich zu sehen, wie sehr ein gegrilltes Stück Fleisch die Menschen zusmannschweißt, ein echtes Happening war das! Alle Campbewohner haben teilgenommen (11 Erwachsene, 2 Kinder), die Frauen haben Salate gemacht, die Männer gegrillt! Welch Idylle! Spaß beiseite, das war ein wirklich schöner Abend, ich liebe diese Abende, sehr international, die Nachbarn kommen aus Indien, von den Philippinen, aus Island, aus Ägypten, aus England und natürlich aus Deutschland! Und, es hat tatsächlich nicht geregnet, das war das Erstaunlichste an der ganzen Sache. Normalerweise regnet es eigentlich am Abend immer, nicht am Sonntag! Das allerbeste an solchen „Veranstaltungen“ ist es, dass man nur sein eigenes Zeug, wir Teller und Besteck wieder einsammeln muss, alles andere, wie Abfall, leere Flaschen und sonstigen Unrat läßt man einfach stehen, und die boys räumen alles wieder auf am nächsten Tag, stellen die Tische und Stühle wieder an ihren Platz. Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen! Mir fällt es sehr schwer, die gebotene „Arbeitskraft“ in Anspruch zu nehmen. Eine der Frauen hier hat eine maid für ihr Kind und läßt die boys auch im Haus arbeiten....sie hat ja eigentlich recht, dafür sind sie ja da, sie bekommen ihr Geld, ob sie was tun, oder nicht, aber ich mag das irgendwie nicht, ich mache meine „Hausarbeit“ doch lieber selbst, zu dem ist es ja auch nicht wirklich viel! Jaja, die Probleme einer Hausfrau, spannend, was?

Wenn ich also meine anstrengende Hausarbeit erledigt habe, lese ich viele Bücher, oder gucke den Musiksender „Channel V“ eine Art MTV auf indisch, höchst interessant, die Musik ist sehr gemischt, viel indisches Zeug (total albern ), aber auch normale Musik (momentan läuft z.B. Jennife Lopez)! Meist allerdings mache ich beides, also es läuft Channel V und ich lese! Auch spannend, gelle?! Oder ich schreibe tolle Berichte!  So, ich glaube jetzt fällt mir nichts mehr ein! Also, beende ich hiermit meine Ausführungen (??)

Fühlt euch herzlichst gegrüßt

BINE ;-)

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