Taichung, 20. Februar 2002

Na, jetzt wird es aber auch Zeit, dass ich mal wieder was schreibe! Mittlerweile sind wir schon lange umgezogen! Die erste Wohnung lag etwas mehr außerhalb, und da eine Wohnung hier in der Luo Yang Road frei wurde, haben wir die Gelegenheit direkt ergriffen und sind kurz vor Weihnachten umgezogen! Hier ist es auch viel schöner *ggg*, Bilder davon könnt Ihr hier auf der Homepage sehen!

So, was dann? Nach dem Umzug sind wir direkt erstmal in den Urlaub gefahren, auf eine philippinische Miniinsel namens Boracay, auch hiervon gibt es hier Bilder zu sehen. Der Urlaub war wie zu erwarten war sehr witzig. Schließlich waren wir mit Peter, Jon und Nigel auf Reisen! Tagsüber wurde am Strand gefaulenzt, und abends lecker gegessen, getrunken und auch schon mal die ein oder andere Bar aufgesucht. Nigel hat auch ein wenig seine Sangeskünste beim Karaoke demonstriert, woraufhin er direkt aufgefordert wurde an einem der nächsten Tage bei einem Karaoke Contest mitzumachen! Gesagt, getan, an besagtem Abend sind wir dann (leider ohne Peter, der war krank) zu besagter Bar gegangen. Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass dieser Schuppen sehr „extravagant“ war, um es vorsichtig auszudrücken…erst einmal musste man eine Treppe rauf, dann durch eine mit Lederimitat gepolsterte Tür. Der Laden an sich war auch eher schummrig, kleine Sitzgruppen aus dem gleichen Lederimitat, nur leider an vielen Stellen bereits aufgerissen, also eigentlich eine eher abscheuliche Lokalität. Die zwei „Moderatoren“, sehr wahrscheinlich philippinischer Herkunft, waren „stockschwul“ (wie man so sagt) aber sehr putzig, na ja nicht äusserlich vielleicht, aber immer eine Hand auf der Hüfte, Kopf schräg gestellt und der andere Arm fuchtelt irgendwie in der Luft rum. Der Spaß begann damit, dass die Dekoration, in Form von großen Palmenblättern im Hintergrund, immer wieder umfiel. Das animierte uns natürlich schon ein wenig zum Lachen. Das ganze Szenario artete dann immer weiter aus, dass Jon und ich anfingen zu weinen vor lauter Lachen, das widerrum veranlasste den Chefmoderator dazu auf uns zu zu tänzeln und uns halb lachend, halb weinend, mit der typisch abknickenden Hand zu „ermahnen“, sehr witzig! Naja, nach einer gewissen Zeit begann dann auch der eigentliche Wettkampf, Nigel ganz Profi trank auch nur noch Wasser. Die ersten Kandidaten begannen, und das war auch alles ganz gut so, bis dann als dritter ein Norweger ein Lied von Neil Diamond vortrug, dank der Karaoke Technik und viel Echo auf dem Mikrofon, was auch das zu ertragen, allerdings ging die gesamte Gesangsanlage nach ca. 1 Minute dann kaputt. Ob das nun an dem Norweger lag, oder ob die Anlage genauso schäbig war wie der ganze Laden, weiß ich nicht! Was für ein Unglück, die Moderatoren hüpften aufgeregt hin und her, und es stellte sich raus, dass es in diesem Laden doch tatsächlich nur ein Karaoke Mikro gab! Unglaublich! Man startete dann noch einen Versuch mit einem normalen Mikrofon, ohne Hall, das wurde aber sofort wieder abgebrochen! Danach gab es dann noch eine Showeinlage von drei „He Shes“, also von Damen die eigentlich doch Herren sind, oder vielleicht auch schon nicht mehr, davon gab es auf der Insel unzählige! Das war auch eher schlecht. Der Wettstreit sollte jedenfalls dann 2 Tage später wiederholt werden, aber da sind wir dann doch nicht mehr hingegangen, Ich glaube Nigel wollte dann auch nicht mehr!

Jon war immer sehr damit beschäftigt damit fast alle weiblichen Wesen mit „look, she’s lovely“ zu begutachten. Peter war eigentlich dauernd tauchen, bekam dann auch den Namen „underwater wiz“, Armin hat gelesen und die Surfgelegenheit genutzt, und ich habe, wie zu erwarten war am Strand gelegen und gelesen oder meinen männlichen Reisebegleitern dabei zugeschaut, wie sie sich im Volleyball gegen philippinische Jungs behauptet haben. Ansonsten ist Boracay paradiesisch! Man kommt nur per Boot auf diese Insel, man fliegt also bis Manila, von dort auf die nächste Insel, und von dort aus geht es dann per Boot nach Boracay, dort wird man so nah wie möglich an den Strand gefahren, das letzte Stück muss dann halt durchs Meer laufen um endlich anzukommen. Dort erwartet einen dann ein Wahnsinnsstrand und unglaublich tolles Wasser! Unterkunft war auch wunderschön! So, aber damit der Bericht nicht zuuuuu lang wird, sollte ich mich vielleicht nicht nur mit Boracay beschäftigen!

Der Weg zurück sollte allerdings doch noch erwähnt werden, da hier meine Visa-Odysse beginnt. Also, ich bin in Taiwan angekommen mit einem Visum, dass mir Hochtief besorgt hatte. Als wir dann nach Boracay geflogen sind, ist uns aufgefallen, dass ich nur ein Single-Entry Visa hatte, das heißt ich konnte eigentlich nicht mehr zurück. Um nach Taiwan einzureisen braucht man ein Ticket, das belegt, dass man das Land auch irgendwann wieder verlässt. Also mussten wir in Manila ein Ticket für mich kaufen. Also sind wir zu Philippine Airlines marschiert und haben dort ein Oneway Ticket für mich erstanden (Taipei – Manila). Dieses sollte dann natürlich sofort in Taiwan angekommen wieder storniert werden. Dieses Flugticket hat mir dann ein Landingvisa für 2 Wochen in Taiwan ermöglicht. Das war am 02.01.2002. Am 08.02.2002 musste ich dann nach Hong Kong fliegen, weil man dort ein 60 Tage Visum innerhalb eines Tages bekommt (in Manila dauert das 3 Tage). Also bin ich morgens nach Hong Kong geflogen, habe dort mein Visum beantragt, bin bummeln gegangen (Wahnsinn, aber teuer), habe mein Visum nachmittags wieder abgeholt, um dann abends wieder nach Taiwan zu fliegen. Mit diesem 60 Tage Visum konnte die Firma dann meine „Alien Residence Card“ (ARC) und eben meine Aufenthaltsgenehmigung beantragen.  Das sollte 2 Wochen dauern. Mittlerweile hatten wir natürlich schon wieder Pläne über Chinese New Year wegzufahren. Eigentlich wollten wir ja unbedingt nach Australien, Katerina und Tim besuchen, und mal den Hausbau zu begutachten. Leider waren die Flüge sooooo teuer, dass wir uns leider dagegen entscheiden mussten. Zu Chinese New Year ist eh alles teurer, aber die Australien Flüge waren echt unerschwinglich! Naja, dann halt nach Vietnam, die Flüge waren zwar auch noch teuer, aber immer noch wesentlich billiger als zu den Aussies. Nachdem schon alles klar gemacht war, kam die Dame von der Reiseagentur damit rüber, dass man für Vietnam auch ein Visum braucht. Eigentlich nicht so dramatisch, nur war mein Pass gerade in Taipei wegen der ARC, also bin ich nach Taipei gefahren, habe meinen Pass abgeholt, bin damit zur Vietnamesischen Visaagentur gegangen, habe mein Visum beantragt, das konnte dann 2 Tage später wieder abgeholt werden, aber glücklicherweise musste ich das nicht persönlich machen, das hat dann ein Fahrer von HBP erledigt. Also konnten wir letztendlich dann doch noch nach Vietnam fliegen.  Zwischenzeitlich haben wir noch einen Scooter für mich gekauft, damit ich auch einen fahrbaren Untersatz zur Verfügung habe. Also bin ich jetzt glückliche Besitzerin eines 90 cc Rollers, taiwanesischer Herkunft, Baujahr 96 (glaube ich), schwarz, und viel schneller als meiner in Deutschland!!!!!!!! Um diesen Scooter zu registrieren braucht man widerrum eine ARC, die hatte ich aber zu dem Zeitpunkt ja noch nicht, also bin ich erstmal total illegal damit gefahren, aber das ist hier wohl so üblich! Gestern habe ich dann endlich meine ARC zur Registrierung weggeben können, und gleich kann ich die Papiere schon wieder abholen! Zum Führerscheinproblem komme ich später, hihi!

Erstmal Vietnam! Also, am 09.02. sind wir also morgens losgeflogen, Nonstop in ca. 3 Stunden. In Hanoi angekommen, mit einem „Taxi“ in die Stadt, dort ins erstbeste Hotel, was sich eigentlich als sehr gut rausstellte, allerdings etwas weit von Schuss, aber für den Anfang O.K.! Hanoi ist eine sehr witzige Stadt, viele kleine Gassen, überall Shops, unglaublich viele Roller, kaum Autos. Hupen ist gaaaaaaaanz schick in Vietnam, die kleinsten Mopeds haben schiffssirenenähnliche Hupen….Einen 2-tägigen Ausflug nach Halong Bay haben wir ebenfalls gemacht, leider war das Wetter sehr schlecht, daher konnten wir keine wirklich aussagekräftigen Bilder von der wahnsinnigen Landschaft machen, die aus irrwitzig vielen „Hügeln“ mitten im Meer besteht. Übernachtet haben wir auf einer Insel, deren Namen ich natürlich schon wieder vergessen habe, war aber auch schön. Danach waren wir noch in Hoa Lu, „The Ancient Capital“, Hua Lu war zur Dinh Dynasty (968 bis 980) die Hauptstadt Vietnams, dort gab es viele Tempel usw. zu sehen. Auf dem Boi River haben wir dann noch eine Bootstour gemacht, durch ein sehr schönes Gebiet, was auch das Ha Long Bay auf dem Land genannt wird, mitten durch Berge und Reisfelder. Den Rest der Zeit haben wir in Hanoi verbracht. Freitag haben wir z.B.  das Ho Chi Minh Mausoleum besichtigt, mal abgesehen davon, dass Ho Chi Minh wohl tatsächlich tot ist, dafür aber noch ganz gut aussieht (er wird jedes Jahr im Winter für 3 Monate nach Russland gebracht um dort „einbalsamiert“ zu werden), ist es auch ganz interessant gewesen, zu sehen, wie sehr der ehemalige Präsident verehrt wird. Das Mausoleum ist schon recht beeindruckend, hervorragend bewacht, mit Wachablösung und allem drum und dran. Der daneben liegende ehemalige Präsidentenpalast ist auch schön und groß und gelb gestrichen (gibt’s auch ein Bild von). Den Kommunismus, oder was auch immer das sein soll, der in Vietnam herrscht, habe ich nicht verstanden, aber vielleicht sollte ich mal versuchen mehr darüber herauszufinden, z.B. hat uns ein netter deutscher Tourist, der bereits seit 4 Wochen in Vietnam war, erklärt, dass die Schulen z.B. kostenpflichtig seien, und das obwohl das jährliche Einkommen der Vietnamesen sehr gering ist (ist irgendwie nicht wirklich kommunistisch, oder auch sozialistisch, oder?) Jedenfalls kann ich sagen, dass die Vietnamesen nicht arm aussehen, sie legen sehr viel wert auf ihr Äußeres. Nach ein paar Tagen in Hanoi allerdings mussten wir feststellen, dass all die kleinen Geschäfte am Abend zu Wohnzimmern mit angrenzenden Schlafzimmern und gleichfalls auch noch Esszimmer wurden, gekocht wurde oft direkt auf dem Buergersteig. Da konnte man dann doch sehen, dass die Vietnamesen nicht sonderlich wohlhabend sind, dafür aber sehr geschäftstüchtig! Man muss schon genau aufpassen, was man wofür bezahlt, erstmal versuchen sie natürlich und verständlicherweise ordentlich Dollar zu verdienen (US Dollar ist sehr beliebt), aber es lässt sich schon ganz gut handeln! Cyclo fahren (ne Art Fahradtaxi) ist ganz witzig, aber hier sollte man vorher den Preis am besten schriftlich fixieren, wir sollten einmal anstatt der vorher vereinbarten 14.000 Dong plötzlich 40.000 Dong zahlen, war Armin sehr wütend gemacht hat. Ich glaube so erbost habe ich ihn lange nicht mehr gesehen, letztendlich hat er dem Betrüger das Geld auch gegeben, aber ich glaube noch eine Sekunde länger, und er hätte ihn gehauen! Naja, das sind halt so die Erfahrungen, die man macht, wenn man als weißer Tourist reist. Leider haben wir den Süden nicht gesehen, aber man kann halt in 7 Tagen nicht soviel machen, wie man möchte! Seit Sonntag sind wir also wieder zurück. Seitdem ist natürlich noch nicht soviel passiert. Außer dass ich jetzt wohl einen taiwanesischen Scooter-Führerschein machen werde, um mich auch ganz legal in den lustigen Verkehr von Taichung stürzen zu können. Aber das werde ich in aller Ausführlichkeit berichten, wenn es vollbracht ist!

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